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„Die Stadt Velden sieht sich mit
umfassenden Herausforderungen im Zusammenhang mit einem
demographischen Wandel und einem drohenden Gebäudeleerstand
konfrontiert.“ Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Seitz
eine öffentliche Ratssitzung ein, in der drei Referenten die
demographische Entwicklung der Stadt, deren Folgen sowie
Lösungsansätze ausführlich und anschaulich aufzeigten.Durch den steigenden Anteil der älteren
Generation und die sinkende Zahl jüngerer Einwohner kämen auf
die Stadt massive Probleme zu. Immer mehr Gebäude im Ortskern
würden leer stehen. Zudem wollten immer öfter ältere Menschen in
ihrer gewohnten Umgebung ihren Lebensabend verbringen, falls
notwendig, mit einer umfassenden Betreuung.
Seit Jahren, so der Bürgermeister, sei
bereits ein Arbeitskreis „Wohnen und Gebäude“, unter anderem mit
2. Bürgermeisterin Sabine Hörl und Stadtrat
Karl-Heinz Aschenbrenner, in Kontakt zu den anwesenden
Fachleuten.
Deren Vorstellungen und Ideen wurden vom Gremium mit
Interesse aufgenommen und heiß diskutiert.
Dipl.-Sozialpädagoge Michael John vom
Basis-Institut Bamberg zeigte anhand verschiedener Grafiken die
demographische Entwicklung der Stadt Velden unter
Berücksichtigung bekannter Parameter wie Geburts- und
Sterberate, Zu- und Fortzüge auf. Derzeit (2009) zeige der
Alterskegel einen „Bauch“ bei den 45-Jährigen, in zwanzig Jahren
sei der auf Höhe der 65-Jährigen, allerdings mit einer totalen
Verschlankung des Kegels bei den nachkommenden Generationen.
Und
in rund 40 Jahren stehen einer hohen Zahl von über 65-Jährigen
immer weniger jüngere Einwohner gegenüber. Seinen alternativen
Prognosen nach (Nullzuwanderung und Saldo von minus sechs) werde
dann die Einwohnerzahl von Velden von derzeit rund 1800 auf 1200
bis 1350 gesunken sein, der Altersdurchschnitt bei deutlich über
50 Jahren liegen.
Was können nun die Bürger tun, um dieser
Entwicklung zu begegnen? Michael John dazu in Schlagworten:
verbesserte Kinderbetreuung, Weiterentwicklung der
Kindertagesstätten zu Familienstützpunkten (Tagesmütter,
Ferienbetreuung), Nutzung einzelner Gebäude im Ortskern für neue
Wohnformen, seniorenpolitische Gesamtkonzepte statt
Pflegebedarfspläne, bürgerschaftliches statt ehrenamtliches
Engagement. Ausführlich ging der Referent auf Möglichkeiten
gemeinschaftlichen Wohnens ein, auf Haus- und
Nachbarschaftsgemeinschaften, deren Umsetzung und bauliche
Realisierung. Alle müssten hier an einem Strang ziehen, seien es
die Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Schulen, Vereine, private
Initiativen und die Stadt.
Architekt Dietmar Striefler aus Bayreuth
zeigte in einer Power-Point-Präsentation die Auswirkungen der
demographischen Entwicklung auf Siedlungs- und Baustrukturen auf
und was man aus Sicht eines Städteplaners dagegen tun könne.
Wegen der Überalterung der Bevölkerung, wegen Geschäftsaufgaben
und dergleichen würden Gebäude zum Teil nicht mehr genutzt, der
Bauunterhalt unterbleibe, der Verfall drohe und letztlich
entstünden Baulücken.
Wie man derart leer stehende Häuser sinnvoll nutzen könne,
auch unter Berücksichtigung des „altersgemischten Wohnens“,
zeigte er am Beispiel des im Eigentum der Stadt befindlichen
Anwesens Nürnberger Straße 10 auf: Schaffung von Ein- bis
Zweizimmerwohnungen und Apartments mit Aufzug für jedes
Stockwerk und im Mittelpunkt einen Gemeinschaftsbereich und eine
Bürgerbegegnungsstätte.
Diakon Detlef Edelmann vom Diakonischen
Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt informierte schließlich über die
Auswirkungen auf die sozialen Infrastrukturen und auf die
Pflegedienste. Es bestehe konkreter Handlungsbedarf, weil zum
einen ältere Menschen verstärkt den Wunsch hätten, ihren
Lebensabend in den eigenen vier Wänden (betreut) zu verbringen.
Zum anderen stelle sich die Frage, ob sich jeder auch in Zukunft
Pflegeeinrichtungen leisten könne.
Nach den Vorträgen war den Stadträten bewusst, dass der
demographische Wandel zum einen eine Handlungschance für die
ältere Generation sein könne, man aber zudem Möglichkeiten
suchen müsse, um dem Gebäudeleerstand entgegen zu wirken.
Ohne
ein konkretes Objekt vor Augen will Michael John abklären, ob
Fördergelder möglich seien. Denn die zur Sprache gebrachten
Projekte könnten nur über Fördermittel oder Bürgerstiftungen
finanziert werden. Zudem wird sich das Gremium in absehbarer
Zeit erneut mit dem Thema befassen. Fazit: Eine äußerst
aufschlussreiche Sitzung, bei der leider die Zuhörer gänzlich
fehlten. VON
SIEGFRIED FUCHS
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