Aktuell
Vorstandschaft
Stadtratsfraktion
Termine/Veranstaltungen
Veldener Treff
Aus der Region
Bundestagsfraktion
Kommunalwahl 2008
Presseschau
Impressum
E-mail

Stadtrat Velden ließ sich von Experten über demographische Entwicklung informieren (HZ 6.3.10)


„Die Stadt Velden sieht sich mit umfassenden Herausforderungen im Zusammenhang mit einem demographischen Wandel und einem drohenden Gebäudeleerstand konfrontiert.“ Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Seitz eine öffentliche Ratssitzung ein, in der drei Referenten die demographische Entwicklung der Stadt, deren Folgen sowie Lösungsansätze ausführlich und anschaulich aufzeigten.

Durch den steigenden Anteil der älteren Generation und die sinkende Zahl jüngerer Einwohner kämen auf die Stadt massive Probleme zu. Immer mehr Gebäude im Ortskern würden leer stehen. Zudem wollten immer öfter ältere Menschen in ihrer gewohnten Umgebung ihren Lebensabend verbringen, falls notwendig, mit einer umfassenden Betreuung.

Seit Jahren, so der Bürgermeister, sei bereits ein Arbeitskreis „Wohnen und Gebäude“, unter anderem mit 2. Bürgermeisterin Sabine Hörl und Stadtrat Karl-Heinz Aschenbrenner, in Kontakt zu den anwesenden Fachleuten.

Deren Vorstellungen und Ideen wurden vom Gremium mit Interesse aufgenommen und heiß diskutiert. Dipl.-Sozialpädagoge Michael John vom Basis-Institut Bamberg zeigte anhand verschiedener Grafiken die demographische Entwicklung der Stadt Velden unter Berücksichtigung bekannter Parameter wie Geburts- und Sterberate, Zu- und Fortzüge auf. Derzeit (2009) zeige der Alterskegel einen „Bauch“ bei den 45-Jährigen, in zwanzig Jahren sei der auf Höhe der 65-Jährigen, allerdings mit einer totalen Verschlankung des Kegels bei den nachkommenden Generationen.

Und in rund 40 Jahren stehen einer hohen Zahl von über 65-Jährigen immer weniger jüngere Einwohner gegenüber. Seinen alternativen Prognosen nach (Nullzuwanderung und Saldo von minus sechs) werde dann die Einwohnerzahl von Velden von derzeit rund 1800 auf 1200 bis 1350 gesunken sein, der Altersdurchschnitt bei deutlich über 50 Jahren liegen.

Was können nun die Bürger tun, um dieser Entwicklung zu begegnen? Michael John dazu in Schlagworten: verbesserte Kinderbetreuung, Weiterentwicklung der Kindertagesstätten zu Familienstützpunkten (Tagesmütter, Ferienbetreuung), Nutzung einzelner Gebäude im Ortskern für neue Wohnformen, seniorenpolitische Gesamtkonzepte statt Pflegebedarfspläne, bürgerschaftliches statt ehrenamtliches Engagement.

 Ausführlich ging der Referent auf Möglichkeiten gemeinschaftlichen Wohnens ein, auf Haus- und Nachbarschaftsgemeinschaften, deren Umsetzung und bauliche Realisierung. Alle müssten hier an einem Strang ziehen, seien es die Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Schulen, Vereine, private Initiativen und die Stadt.

Architekt Dietmar Striefler aus Bayreuth zeigte in einer Power-Point-Präsentation die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf Siedlungs- und Baustrukturen auf und was man aus Sicht eines Städteplaners dagegen tun könne. Wegen der Überalterung der Bevölkerung, wegen Geschäftsaufgaben und dergleichen würden Gebäude zum Teil nicht mehr genutzt, der Bauunterhalt unterbleibe, der Verfall drohe und letztlich entstünden Baulücken.

Wie man derart leer stehende Häuser sinnvoll nutzen könne, auch unter Berücksichtigung des „altersgemischten Wohnens“, zeigte er am Beispiel des im Eigentum der Stadt befindlichen Anwesens Nürnberger Straße 10 auf: Schaffung von Ein- bis Zweizimmerwohnungen und Apartments mit Aufzug für jedes Stockwerk und im Mittelpunkt einen Gemeinschaftsbereich und eine Bürgerbegegnungsstätte.

Diakon Detlef Edelmann vom Diakonischen Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt informierte schließlich über die Auswirkungen auf die sozialen Infrastrukturen und auf die Pflegedienste. Es bestehe konkreter Handlungsbedarf, weil zum einen ältere Menschen verstärkt den Wunsch hätten, ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden (betreut) zu verbringen. Zum anderen stelle sich die Frage, ob sich jeder auch in Zukunft Pflegeeinrichtungen leisten könne.

Nach den Vorträgen war den Stadträten bewusst, dass der demographische Wandel zum einen eine Handlungschance für die ältere Generation sein könne, man aber zudem Möglichkeiten suchen müsse, um dem Gebäudeleerstand entgegen zu wirken.

Ohne ein konkretes Objekt vor Augen will Michael John abklären, ob Fördergelder möglich seien. Denn die zur Sprache gebrachten Projekte könnten nur über Fördermittel oder Bürgerstiftungen finanziert werden. Zudem wird sich das Gremium in absehbarer Zeit erneut mit dem Thema befassen. Fazit: Eine äußerst aufschlussreiche Sitzung, bei der leider die Zuhörer gänzlich fehlten. VON SIEGFRIED FUCHS