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Für die Bürgermeister geht es ans Eingemachte (NN 25.9.09)


Die Ideen sind formuliert. Jetzt geht es für die Arbeitsgemeinschaft FrankenPfalz wirklich ans Eingemachte. Und da wartet eine Menge Arbeit auf die acht Kommunen, die ihre Randlage in der Oberpfalz, in Mittel- und Oberfranken inzwischen als Chance begriffen haben, durch Zusammenarbeit etwas daraus zu machen.

«Der Wille ist da und wir sind auf einem sehr guten Weg», formulierte es der Königsteiner Bürgermeister Hans Koch, Sprecher der acht FrankenPfalz-Gemeinden bei einem gemeinsamen Treffen der Bürgermeister, von Vertretern der drei Bezirksregierungen, dem Amt für ländliche Entwicklung Oberpfalz und Gudrun Donaubauer vom Regensburger Planungsbüro Drexel-Donaubauer, die für die Arbeitsgemeinschaft ein Integrierte ländliches Entwicklungskonzept (siehe Kasten links) ausgearbeitet hat. Und das stand im Mittelpunkt einer rund zweistündigen Diskussion im Königsteiner Rathaus.

Grundsätzliches Ziel der Bürgermeister von Auerbach, Betzenstein, Hartenstein, Hirschbach, Königstein, Neuhaus, Plech und Velden ist, Projekte gemeinsam umzusetzen, die die vielfältigen Strukturen der FrankenPfalz noch weiter stärken. Immer wieder war die Rede davon, dass vorhandene Potenziale, zum Beispiel im Tourismus, auf einzigartige Weise vorhanden seien, aber viel zu wenig oder gar nicht genutzt würden. Allerdings kommt mit den aufgezeigten Handlungsfeldern jetzt auch die Phase der Umsetzungen, bei der in den Rathäusern die Stadt- und Gemeinderäte in den nächsten Monaten Farbe bekennen müssen. Denn eines sagten die Regierungsvertreter ganz deutlich: Es gibt keine neuen Fördertöpfe, wohl aber die Möglichkeit, mit guten gemeinsamen Projekten an Gelder zu kommen.

Region mit Anspruch

So schlug Planerin Donaubauer vor, zum Beispiel eine Tourismusregion mit Anspruch zu schaffen, keinen «Bauchladen unter dem Motto wir haben für jeden etwas.» Oder die Kommunen müssten ein gemeinsames Konzept ausarbeiten, wie innerörtlichen Leerständen von Gebäuden zu begegnen ist. Zugegeben keine leichte Aufgabe, gab die Planerin schon bei der Formulierung zu. Oder die Bildungsinfrastruktur. Sie hat mit der Schaffung von aktuellen Dialogforen im Hauptschulbereich plötzlich eine hohe Brisanz erfahren. Auch wird sich zeigen, wie weit die FrankenPfalz hierbei zusammenstehen wird.

Diplomgeograf Axel Koch von der Landesentwicklung der Regierung der Oberpfalz attestierte Donaubauer gute Konzeptarbeit und eine sehr realistische Betrachtung. Er wie auch sein oberfränkischer Kollege Martin Füßl räumten ein, ein derartiges Konzept über drei Landkreise und drei Regierungsbezirke hinweg noch nicht auf dem Tisch gehabt zu haben. Sie räumten der FrankenPfalz durchaus gute Chancen ein. Koch riet den Bürgermeistern, sich auf zwei bis drei Handlungsfelder zu konzentrieren, um sich nicht zu verzetteln. «Beschränken sie sich auf das, wo sie am meisten herausholen können», sagte der Regierungsdirektor aus Regensburg. «Und stimmen sie sich mit den Regionalmanagern der Lokalen Arbeitsgemeinschaften (LAGs) ab, das sich Paten für je ein Handlungsfeld bekommen.»

Oberregierungsrat Füßl aus Bayreuth stimmte dem nur zu und riet außerdem, das Angebot der Metropolregion mit in die Arbeitsfelder einzubeziehen. Und die Geologie biete in der FrankenPfalz neben dem Klettern durchaus Reize, mit denen zum Beispiel Gruppen wie Fossiliensammler angesprochen werden könnten. Erzweg, Bergbautradition und Höhlen waren für Füßl Themen, die ausgebaut werden sollten. Für den Bayreuther Oberregierungsrat hat die FrankenPfalz durchaus Chancen, wenn auch darin nicht unbedingt ein wirtschaftliches Allheilmittel zu sehen ist.

Doris Fröhlich, wissenschaftliche Beschäftigte bei der Regionalplanung der Regierung von Mittelfranken, riet auf dem touristischem Gebiet dazu, durchaus lokale Pakete zu schnüren, die Vermarktung aber den Profis wie Fremdenverkehrsverbänden zu überlassen. Auerbachs Bürgermeister Joachim Neuß sieht große Perspektiven in der Arbeitsgemeinschaft, vor allem im Bereich des Klettersports. «Unsere Region wird von außen hoch geschätzt, was im Binnenraum noch wenig wahrgenommen wird. Unsere Zielgruppe befindet sich bereits in der Region, nur wird haben kein Angebot dafür.» Sein großer Wunsch ist es, dass das Bewusstsein der «Knautschzone» abgelegt und das Selbstbewusstsein in der FrankenPfalz gesteigert wird. Und eine Vergrößerung, um als Förderregion eingestuft zu werden.

Gemeinsam mehr holen

Betzensteins Bürgermeister Claus Meyer hinterfragte, an welche Fördertöpfe die FrankenPfalz denn rankomme. Dies seien doch auch keine anderen, als sie auch den Kommunen zugänglich seien. Meyer schlug vor, auch den Naturpark mit einzubeziehen. Planerin Donaubauer versicherte, dass auf dieser Ebene bereits Gespräche stattgefunden haben. Die Regierungsvertreter brachten die Frage der Finanzen auf den Punkt: Es gibt keine eigenen Fördertöpfe für gemeinsame Projekte, wohl aber könne gemeinsam mehr herausgeholt werden.

Josef Springer, Bürgermeister von Neuhaus, riet den Kollegen dazu, sich in den nächsten Wochen und Monaten auf bestimmte Punkte zu konzentrieren und zu hinterfragen: «Was können wir uns leisten.» Außerdem schlug er die Einbeziehung der nahen Oberzentren vor. Neuß aus Auerbach warnte davor, eine reines Fördermittel-Denken zu entwickeln. «Wir müssen ein Zielszenario entwickeln und auch verfolgen. Und wenn wir an ein Ziel glauben, dann können wir uns auch die Finanzierung leisten.»

Der oberpfälzer Regierungsvertreter würdigte das Engagement der FrankenPfalz durchaus. «Sie betreten Neuland und sind auch schon ziemlich weit gekommen. Aber geldlich wird sich das erst einmal nicht auswirken.» Dem Plecher Gemeindevertreter war die Diskussion zu sehr auf den Tourismus abgestellt. «Wir haben auch andere Themen. Wie können wir Leerstände von Gebäuden vermeiden?» Tourismus sei wichtig aber nicht allein dazu geeignet, den Raum lebenswert zu erhalten.

Königsteins Bürgermeister Hans Koch stellte klar: «Das Handlungsfeld Tourismus können wir wohl am schnellsten umsetzen. Das heißt aber nicht, dass wir andere Themen weglassen wollen.» Die Schulen zum Beispiel seien sehr aktuell. VON MICHAEL GRÜNER