Aktuell
Vorstandschaft
Stadtratsfraktion
Termine/Veranstaltungen
Veldener Treff
Aus der Region
Bundestagsfraktion
Kommunalwahl 2008
Presseschau
Impressum
E-mail

Ecka-Granulate sind insolvent (HZ 18.8.09)


Die erst seit 2005 produzierenden Ecka Granulate Velden haben wie ihre Muttergesellschaft mit Sitz in Fürth Insolvenz angemeldet. Die noch 89 Mitarbeiter in Velden können aber hoffen, dass die Produktion weitergeht. Heute informiert der vorläufige Insolvenzverwalter Siegfried Beck aus Nürnberg die Beschäftigten in einer Betriebsversammlung.

Am späten Freitag war bekannt geworden, dass die Ecka Granulate Gmb H& Co KG mit Sitz in Fürth (50 Beschäftigte in Fürth, 550 in Deutschland, 800 weltweit) beim dortigen Amtsgericht Insolvenz beantragte. In der Folge musste nun auch die 100-prozentige Tochter in Velden einen Insolvenzantrag stellen. Betroffen ist in der Region auch ein kleines Werk in Trautenfurt bei Spalt (35 Beschäftigte).

Hans-Claus Neubing, technischer Geschäftsführer in Velden, geht allerdings davon aus, dass die Produktion vor Ort weiterläuft. Das Insolvenzverfahren sichere zum einen vorerst die Arbeitsverhältnisse und die Gehälter (drei Monate über die Arbeitsagentur). Zum anderen könne man auch neue Investoren oder einen neuen Eigentümer suchen. Entsprechende Gespräche habe es in der letzten Zeit schon gegeben.

Seit dem Frühjahr wachse die Zahl der Aufträge aus der Autoindustrie wieder, die im November 2008 eingebrochen war. Wichtige Kunden hätten auch signalisiert, dass sie den derzeitigen Liquiditätsengpass mittragen wollten. Die Veldener Ecka ist auf Metallpulver spezialisiert, das in der Autoelektronik, zum Beispiel bei Bremsbelägen benötigt wird.

Die Autoindustrie und die stark schwankenden Weltmarktpreise für Metalle sind nach Neubings Ansicht auch schuld daran, dass das weltweit tätige Unternehmen ins Trudeln kam. Denn die in Velden aus Metall gewonnenen Granulate sind zu über 80 Prozent für die Autoelektronik gedacht. Als hier die Bestellungen letzten Herbst schlagartig einbrachen, konnte man nicht kurzfristig die Produktpalette völlig umstellen. Ecka Granulate gehen auch in die Elektrotechnik, Elektronik und den Maschinenbau. Zudem erlebten die Weltmarktpreise für Metalle dank der Wirtschaftskrise eine „unglaubliche Berg- und Talfahrt “, was den Liquiditätsengpass des Unternehmens befördert habe. Da die Ecka-Produkte hochspezialisiert seien, hätten viele Autohersteller durchaus ein Interesse, dass die Fertigung in Velden weitergeht.

Bei einer Betriebsversammlung will heute der vorläufige Insolvenzverwalter, der Nürnberger Anwalt Siegfried Beck, die Belegschaft vor Ort informieren. An Spekulationen, warum das Unternehmen ins Trudeln geriet, möchte er sich derzeit nicht beteiligen. Beck will sich erst bis zum Wochenende einen Überblick über die Finanzlage verschaffen und mit den Banken reden.

„Wir haben Aufträge, die wir abarbeiten und wir haben neue Bestellungen, die wir annehmen wollen “, versichert dagegen der technische Geschäftsführer Hans-Claus Neubing der HZ
. Er geht davon aus, dass der Insolvenzverwalter diese genehmigt und die Gespräche mit potentiellen Investoren fortführt. Möglich sei auch die komplette Übernahme durch neue Besitzer. Aber da die Unternehmensleitung bereits Umstrukturierungen im Hinblick auf künftige Märkte eingeleitet habe, sehe er keine Gefährdung der Produktion. Seit dem Winter wird in Velden kurzgearbeitet. Im März wurden zehn der 100 Beschäftigten entlassen.

Die Ecka Granulate GmbH & Co KG entstand 2001 durch eine Abspaltung von den Eckart-Werken, die mittlerweile zum Altana-Konzern gehören. Anders als die Eckart-Werke, die im Gemeindegebiet Hartenstein zu Hause sind, siedelte sich Ecka Granulate mit einem 25 Millionen Euro teuren Werk in Velden an. Das nördlich der Altstadt entstandene Industriegebiet war bei Naturschützern heftig umstritten. Für den damaligen Bürgermeister Herbert Begert aber waren die zu erwartenden bis zu 150 Arbeitsplätze ein unendlicher Gewinn in der strukturschwachen Gemeinde. Ecka-Gründer Gert Rohrseitz hatte zudem über ein Immobilienunternehmen den Bau eines Supermarktes in Velden geplant, war von diesem Vorhaben aber heuer zurückgetreten.

Die Verwaltungszentrale der Ecka Granulate GmbH & Co KG feierte in Fürth erst im Januar das Richtfest eines neuen Verwaltungsgebäudes. Von dort aus wird nicht nur die Produktion in Velden gesteuert, sondern Fabriken in sieben europäischen Ländern sowie in den USA, Brasilien, Australien, China, Japan, Russland und asiatischen Staaten. Jährlich werden rund 70 000 Tonnen Aluminium, 25 000 Tonnen Kupfer und 19 000 Tonnen Magnesium verarbeitet. Ecka-Chef Rohrseitz ist Vorsitzender der IHK Fürth. Seine Verbandskollegen hatte er 2006 stolz durchs neue Veldener Werk geführt.