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Die erst seit 2005 produzierenden Ecka Granulate Velden haben wie
ihre Muttergesellschaft mit Sitz in Fürth Insolvenz angemeldet.
Die noch 89 Mitarbeiter in Velden können aber hoffen, dass die
Produktion weitergeht. Heute informiert der vorläufige
Insolvenzverwalter Siegfried Beck aus Nürnberg die Beschäftigten
in einer Betriebsversammlung.
Am späten Freitag war bekannt geworden, dass die Ecka Granulate
Gmb H& Co KG mit Sitz in Fürth (50 Beschäftigte in Fürth, 550 in
Deutschland, 800 weltweit) beim dortigen Amtsgericht Insolvenz
beantragte. In der Folge musste nun auch die 100-prozentige
Tochter in Velden einen Insolvenzantrag stellen. Betroffen ist
in der Region auch ein kleines Werk in Trautenfurt bei Spalt (35
Beschäftigte).
Hans-Claus Neubing, technischer Geschäftsführer in Velden, geht
allerdings davon aus, dass die Produktion vor Ort weiterläuft.
Das Insolvenzverfahren sichere zum einen vorerst die
Arbeitsverhältnisse und die Gehälter (drei Monate über die
Arbeitsagentur). Zum anderen könne man auch neue Investoren oder
einen neuen Eigentümer suchen. Entsprechende Gespräche habe es
in der letzten Zeit schon gegeben.
Seit dem Frühjahr wachse die Zahl der Aufträge aus der
Autoindustrie wieder, die im November 2008 eingebrochen war.
Wichtige Kunden hätten auch signalisiert, dass sie den
derzeitigen Liquiditätsengpass mittragen wollten. Die Veldener
Ecka ist auf Metallpulver spezialisiert, das in der
Autoelektronik, zum Beispiel bei Bremsbelägen benötigt wird.
Die Autoindustrie und die stark schwankenden Weltmarktpreise für
Metalle sind nach Neubings Ansicht auch schuld daran, dass das
weltweit tätige Unternehmen ins Trudeln kam. Denn die in Velden
aus Metall gewonnenen Granulate sind zu über 80 Prozent für die
Autoelektronik gedacht. Als hier die Bestellungen letzten Herbst
schlagartig einbrachen, konnte man nicht kurzfristig die
Produktpalette völlig umstellen. Ecka Granulate gehen auch in
die Elektrotechnik, Elektronik und den Maschinenbau. Zudem
erlebten die Weltmarktpreise für Metalle dank der
Wirtschaftskrise eine „unglaubliche Berg- und Talfahrt “, was
den Liquiditätsengpass des Unternehmens befördert habe. Da die
Ecka-Produkte hochspezialisiert seien, hätten viele
Autohersteller durchaus ein Interesse, dass die Fertigung in
Velden weitergeht.
Bei einer Betriebsversammlung will heute der vorläufige
Insolvenzverwalter, der Nürnberger Anwalt Siegfried Beck, die
Belegschaft vor Ort informieren. An Spekulationen, warum das
Unternehmen ins Trudeln geriet, möchte er sich derzeit nicht
beteiligen. Beck will sich erst bis zum Wochenende einen
Überblick über die Finanzlage verschaffen und mit den Banken
reden.
„Wir haben Aufträge, die wir abarbeiten und wir haben neue
Bestellungen, die wir annehmen wollen “, versichert dagegen der
technische Geschäftsführer Hans-Claus Neubing der HZ
. Er geht davon aus, dass der Insolvenzverwalter diese genehmigt
und die Gespräche mit potentiellen Investoren fortführt. Möglich
sei auch die komplette Übernahme durch neue Besitzer. Aber da
die Unternehmensleitung bereits Umstrukturierungen im Hinblick
auf künftige Märkte eingeleitet habe, sehe er keine Gefährdung
der Produktion. Seit dem Winter wird in Velden kurzgearbeitet.
Im März wurden zehn der 100 Beschäftigten entlassen.
Die Ecka Granulate GmbH & Co KG entstand 2001 durch eine
Abspaltung von den Eckart-Werken, die mittlerweile zum
Altana-Konzern gehören. Anders als die Eckart-Werke, die im
Gemeindegebiet Hartenstein zu Hause sind, siedelte sich Ecka
Granulate mit einem 25 Millionen Euro teuren Werk in Velden an.
Das nördlich der Altstadt entstandene Industriegebiet war bei
Naturschützern heftig umstritten. Für den damaligen
Bürgermeister Herbert Begert aber waren die zu erwartenden bis
zu 150 Arbeitsplätze ein unendlicher Gewinn in der
strukturschwachen Gemeinde. Ecka-Gründer Gert Rohrseitz hatte
zudem über ein Immobilienunternehmen den Bau eines Supermarktes
in Velden geplant, war von diesem Vorhaben aber heuer
zurückgetreten.
Die Verwaltungszentrale der Ecka Granulate GmbH & Co KG feierte
in Fürth erst im Januar das Richtfest eines neuen
Verwaltungsgebäudes. Von dort aus wird nicht nur die Produktion
in Velden gesteuert, sondern Fabriken in sieben europäischen
Ländern sowie in den USA, Brasilien, Australien, China, Japan,
Russland und asiatischen Staaten. Jährlich werden rund 70 000
Tonnen Aluminium, 25 000 Tonnen Kupfer und 19 000 Tonnen
Magnesium verarbeitet. Ecka-Chef Rohrseitz ist Vorsitzender der
IHK Fürth. Seine Verbandskollegen hatte er 2006 stolz durchs
neue Veldener Werk geführt.
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