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Alle deutschen Haushalte sollen bis Ende 2010 zu einem schnellen
Internet Zugang haben. Überwiegend sollen die
Breitbandanschlüsse bis 2014 sogar auf Turbo-Geschwindigkeit
aufgerüstet werden. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang
März versprochen. Doch mancherorts im ländlichen Raum bewegt man
sich auf der Daten-Autobahn immer noch auf der Kriechspur.
Da hatte Kalchreuth die Nase vorne: Als erste Gemeinde in Bayern
profitierte die Kommune im Landkreis Erlangen-Höchstadt von den
neuen Fördermöglichkeiten beim Ausbau der Breitbandinfrastruktur
im Freistaat. Mindestens sechs und bis zu 16 Megabit pro Sekunde
soll die Geschwindigkeit der Datenübertragung nun erreichen, je
nach Entfernung zum Schaltgehäuse.
Anschlüsse brechen regelmäßig zusammen
Von solchen leistungsfähigen DSL-Verbindungen kann man
andernorts nur träumen. «Wir sind schlechter ans Internet
angeschlossen als Island«, kritisierte beispielsweise Andrea
Zips in Pruppach bei Roth. Wenn ihre beiden Söhne - der eine
studiert Maschinenbau, der andere macht eine Banklehre -
gleichzeitig etwas aus dem Web herunterladen oder online in
einer Bibliothek surfen, «bricht regelmäßig der Anschluss
zusammen« - kein Wunder bei einer Übertragungsrate von gerade
einmal 384 Kilobit.
«Wir haben katastrophale Verhältnisse«, klagte erst kürzlich
Herbert Dannhäußer, Bürgermeister von Ahorntal in der
Fränkischen Schweiz. Über die Hälfte der Haushalte in der
Kommune haben überhaupt keine schnelle Internet-Verbindung, der
Rest muss sich mit mäßig-langsamen Leitungen begnügen.
DSL als Standortvorteil
Unter ähnlichen Problemen leiden viele Vororte von eigentlich
gut versorgten Städten und vor allem Gemeinden im ländlichen
Raum. Von einer flächendeckenden Versorgung im Freistaat kann
noch längst keine Rede sein. Zum Teil variieren die technischen
Voraussetzungen innerhalb einer Ortschaft. Immerhin ist
mittlerweile erkannt worden, dass Breitbandanschlüsse einen
Standortvorteil bedeuten und nicht nur für High-Tech-Betriebe
zur Standardausrüstung gehören - auch in ländlichen Regionen.
In Bayern hatte man lange gezögert, den Gemeinden mit einem
staatlichen Zuschussprogramm zu helfen, wenn private
Investitionen aus wirtschaftlichen Gründen ausbleiben. Im Sommer
2008 startete schließlich die Breitband-Förderung, von der auch
Kalchreuth profitierte. Doch die Versorgung mit schnellen
Internet-Verbindungen wollte nicht recht vorankommen - auch
aufgrund von Hürden der EU. Einige Bürgermeister sprachen
bereits von einem Flop.
Ende März schuf die Staatsregierung neue Anreize und verdoppelte
die Fördergelder durch Mittel aus dem KonjunkturpaketII auf 38
Millionen Euro. Dazu wurde der Fördersatz von 50 auf 70 Prozent
erhöht, der Förderhöchstsatz von 50000 auf 100000 Euro
angehoben. Zudem hat man das mehrstufige Verfahren vereinfacht.
Gemeinden warten Zustimmung aus Brüssel ab
Dennoch hielten sich zahlreiche Gemeinden zurück. Weil bei der
Vergabe von Subventionen die EU mitzureden hat, warteten viele
Gemeinden erst einmal die Zustimmung aus Brüssel ab. Erst als
das Wirtschaftsministerium entschied, dass alle neuen Anträge zu
den verbesserten Konditionen gefördert werden, gelang es, den
Stillstand zu überwinden.
Der Bedarf ist vorhanden: Allein in Mittelfranken wünschen sich
156 der 210 Kommunen eine Verbesserung der Breitbandversorgung.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Internet-Verbindungen? Mailen
Sie unter dem Stichwort: «Breitbandversorgung« ihre Wünsche und
Kritik an
nn-online-redaktion@pressenetz.de
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