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Auf der Kriechspur der Datenautobahn (NN 12.5.09)


Alle deutschen Haushalte sollen bis Ende 2010 zu einem schnellen Internet Zugang haben. Überwiegend sollen die Breitbandanschlüsse bis 2014 sogar auf Turbo-Geschwindigkeit aufgerüstet werden. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang März versprochen. Doch mancherorts im ländlichen Raum bewegt man sich auf der Daten-Autobahn immer noch auf der Kriechspur.

Da hatte Kalchreuth die Nase vorne: Als erste Gemeinde in Bayern profitierte die Kommune im Landkreis Erlangen-Höchstadt von den neuen Fördermöglichkeiten beim Ausbau der Breitbandinfrastruktur im Freistaat. Mindestens sechs und bis zu 16 Megabit pro Sekunde soll die Geschwindigkeit der Datenübertragung nun erreichen, je nach Entfernung zum Schaltgehäuse.

Anschlüsse brechen regelmäßig zusammen

Von solchen leistungsfähigen DSL-Verbindungen kann man andernorts nur träumen. «Wir sind schlechter ans Internet angeschlossen als Island«, kritisierte beispielsweise Andrea Zips in Pruppach bei Roth. Wenn ihre beiden Söhne - der eine studiert Maschinenbau, der andere macht eine Banklehre - gleichzeitig etwas aus dem Web herunterladen oder online in einer Bibliothek surfen, «bricht regelmäßig der Anschluss zusammen« - kein Wunder bei einer Übertragungsrate von gerade einmal 384 Kilobit.

«Wir haben katastrophale Verhältnisse«, klagte erst kürzlich Herbert Dannhäußer, Bürgermeister von Ahorntal in der Fränkischen Schweiz. Über die Hälfte der Haushalte in der Kommune haben überhaupt keine schnelle Internet-Verbindung, der Rest muss sich mit mäßig-langsamen Leitungen begnügen.

DSL als Standortvorteil

Unter ähnlichen Problemen leiden viele Vororte von eigentlich gut versorgten Städten und vor allem Gemeinden im ländlichen Raum. Von einer flächendeckenden Versorgung im Freistaat kann noch längst keine Rede sein. Zum Teil variieren die technischen Voraussetzungen innerhalb einer Ortschaft. Immerhin ist mittlerweile erkannt worden, dass Breitbandanschlüsse einen Standortvorteil bedeuten und nicht nur für High-Tech-Betriebe zur Standardausrüstung gehören - auch in ländlichen Regionen.

In Bayern hatte man lange gezögert, den Gemeinden mit einem staatlichen Zuschussprogramm zu helfen, wenn private Investitionen aus wirtschaftlichen Gründen ausbleiben. Im Sommer 2008 startete schließlich die Breitband-Förderung, von der auch Kalchreuth profitierte. Doch die Versorgung mit schnellen Internet-Verbindungen wollte nicht recht vorankommen - auch aufgrund von Hürden der EU. Einige Bürgermeister sprachen bereits von einem Flop.

Ende März schuf die Staatsregierung neue Anreize und verdoppelte die Fördergelder durch Mittel aus dem KonjunkturpaketII auf 38 Millionen Euro. Dazu wurde der Fördersatz von 50 auf 70 Prozent erhöht, der Förderhöchstsatz von 50000 auf 100000 Euro angehoben. Zudem hat man das mehrstufige Verfahren vereinfacht.

Gemeinden warten Zustimmung aus Brüssel ab

Dennoch hielten sich zahlreiche Gemeinden zurück. Weil bei der Vergabe von Subventionen die EU mitzureden hat, warteten viele Gemeinden erst einmal die Zustimmung aus Brüssel ab. Erst als das Wirtschaftsministerium entschied, dass alle neuen Anträge zu den verbesserten Konditionen gefördert werden, gelang es, den Stillstand zu überwinden.

Der Bedarf ist vorhanden: Allein in Mittelfranken wünschen sich 156 der 210 Kommunen eine Verbesserung der Breitbandversorgung.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Internet-Verbindungen? Mailen Sie unter dem Stichwort: «Breitbandversorgung« ihre Wünsche und Kritik an nn-online-redaktion@pressenetz.de