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Bayern: Bürokraten blockieren Konjunkturspritze (NN 8.3.09)


Die Verteilung der Gelder aus dem Konjunkturpaket auf die einzelnen Gemeinden gerät durch bürokratische Hemmnisse ins Stocken. Diese Klage musste sich Ministerpräsident Horst Seehofer bei einer CSU-Veranstaltung mit Kommunalpolitikern in Nürnberg anhören.

Der Nürnberger Bürgermeister Klemens Gsell (CSU) beschwerte sich bei der Landesversammlung der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der CSU darüber, dass trotz der bereitstehenden Mittel voraussichtlich bis Ende Mai nicht klar sein werde, welche Förderung die Kommunen zu erwarten hätten und welche Projekte verwirklicht werden könnten. Gsell: «Wir haben einen Riesendruck. Der Freistaat hat es nicht geschafft, die Mittel nach unten weiterzugeben, das ist schlechte Bürokratie.«

Spitzenverbände als Bremser?

Die kommunalen Spitzenverbände seien es gewesen, die um mehr Zeit für die Vorbereitung der Förderprojekte gebeten hätten, hielt Ministerpräsident Seehofer der Kritik entgegen. Gleichwohl habe er die Devise ausgegeben, dass die Landesbehörden bei der Verteilung der Konjunkturförderung «so unbürokratisch wie möglich« vorgehen sollten. So solle es Zuschusszusagen auch dann geben, wenn noch keine aufwändige Detailplanung vorliege, versicherte Seehofer.

"Es gibt viele Verlierer"

Der CSU-Chef musste sich in diesem Kontext noch andere Kritik anhören. Es werde einen heftigen Verteilungskampf um die Fördermittel geben - «und viele Verlierer«, sagte ein Bürgermeister voraus. Der KPV-Landesvorsitzende Stefan Rößle, Landrat des Kreises Donau-Ries, bezeichnete die Förderquote von bis zu 90 Prozent als zu hoch. Und ein Gemeindeoberhaupt sprach sich für eine größere Zahl kleinerer Projekte aus. Doch CSU-Chef Seehofer lehnte dies unter Berufung auf Experten als zu uneffektiv ab.

Unter dem Beifall der CSU-Kommunalpolitiker kündigte der Ministerpräsident ein Entbürokratisierungs- und Dezentralisierungsvorhaben an: Die Landesplanung soll laut Seehofer künftig stärker auf die kommunale Ebene verlagert werden. «Das ist bisher viel zu zentralistisch und viel zu bürokratisch«, sagte er.

"Wir müssen Dampf machen"

Aus den bayerischen Rathäusern kommen die massiven Forderungen an die Staatsregierung, endlich die Weichen für den Ausbau schneller Internet-Zugänge zu stellen. «Wir müssen Dampf machen, so kann es nicht weitergehen«, schimpfte Bürgermeister Heinrich Lenz aus dem Kreis Freyung-Grafenau. Sein Amtskollege Ludwig Reger aus Rötz im Kreis Cham forderte Seehofer auf, das Breitband-Thema zur «Chefsache« zu machen.

Instrument der Daseinsvorsorge

Und der Landesvater bezeichnete es als «Trauerspiel«, dass Bayern zum Teil durch eigenes Verschulden hinterherhinke. Bundeskanzlerin Angela Merkel solle sich in Brüssel dafür einsetzen, dass die Investition von 50 Millionen Euro Fördermitteln nicht länger an den Beihilfebestimmungen der EU scheitert. Seehofer: «Schnelles Internet ist ein Instrument der Daseinsvorsorge.« VON WOLF-DIETRICH NAHR