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Hersbrucker Schweiz lernt von den Ahnen (HZ 31.1.09)


Zig Projekte hat die „Gesundheitsregion Hersbrucker Land “ in den letzten Jahren dank EU-Hilfe umgesetzt, von den beliebten Kneipp-Becken bis zum Pegnitz-Spielplatz. Jetzt entwickelt der Fremdenverkehrsverein Hersbrucker Land ein neues Gesamtkonzept für die Naherholung in der „Hersbrucker Schweiz “.

„Alles Fachleute, alles ehrenamtlich “, lobte Reichenschwands Bürgermeister Bruno Schmidt seine Mitstreiter im Tourismusverein, die das Thema in der Runde der „Kommunalen Allianz “ (Bürgermeister und Vereinsvertreter des Hersbrucker Landes) vorstellten. Denn die Hersbrucker Tourist-Info-Leiterin Petra Hofmann, Thermen-Vize-Geschäftsführerin Jacqueline Plan und der Hubmersberger Lindenhotel-Geschäftsführer Thomas Kirmayr haben alle Tourismus studiert und bringen von daher nicht nur ihre praktischen Erfahrungen ein. Entsprechend groß war das Lob der Versammlung, die sich mit den grundlegenden Ideen des Konzepts noch weiter befassen wird. Kirchensittenbachs Bürgermeister Peter Stief gefiel vor allem die Rückkehr zum Begriff „Hersbrucker Schweiz “.

Aber auch in den grundsätzlichen Überlegungen greifen die Autoren letztlich auf die Ideen ihrer beruflichen Vorfahren zurück — weil diese in der Metropolregion wieder neue Brisanz erhalten. Zu Zeiten der Industrialisierung wurde die Hersbrucker Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Metropole Nürnberg. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts und spätestens mit dem Fall der Mauer änderte sich das Freizeitverhalten der Franken und Deutschen dramatisch. Bis heute unterliegt der Reisemarkt raschen Wechseln. Dies könnte sich diesmal zugunsten der Hersbrucker Schweiz auswirken:

• In der beginnenden Rezession sparen die Deutschen am Zweit- oder Dritt-Urlaub — und legen diesen eher wieder in die nähere Umgebung.

• Die Metropolregion Nürnberg entwickelt sich auch über ein gemeinsames Selbstbewusstsein. Das heißt: Die Region entdeckt sich selbst, die Städter das Umland, die Westmittelfranken das östliche Mittelfranken usw.

• Die Hersbrucker Schweiz hat einmalige Angebote dank ihrer Landschaft, Einsamkeit, ihrer sportlichen Möglichkeiten.

• Sanfter Tourismus liegt absolut im Trend, gesundes regionales Essen ebenso.

So weit, so gut, meinen Hofmann, Jahn und Kirmayr. Die Schwachpunkte des Tourismus im Hersbrucker Land: Der Region fehlt ein klares Profil. Die Struktur der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen ist nicht ausgewogen, kann sich aber bei wachsender Nachfrage entwickeln. Ein größeres Angebot ist auch in den Bereichen Wellness, Fitness, Gesundheit, Natur und Familie nötig, um im Wettbewerb bestehen zu können.

Mit gesundem Hersbrucker Selbstbewusstsein beschreiben die Experten die nahen Konkurrenten im Freizeitmarkt: Die Fränkische Schweiz hat eine ähnliche Natur, doch das Angebot konzentriere sich „auf wenige Highlights “, auf Familien, Wanderer und Tagesreisende. Das Fränkische Seenland habe mit Radl- und Badetourismus eine klare Zielgruppe, aber zu wenige Quartiere in direkter Seenähe. Der Westen von Nürnberg habe kaum touristische Bedeutung, ansonsten nur einige Burgen und Schlösser. Die Oberpfalz sei für den Städter im Großraum Nürnberg zu weit weg und schlecht erschlossen.

In Abgrenzung zu diesen Nachbarn müsse die Hersbrucker Schweiz nun ihr eigenes Profil schärfen und vermarkten. Ursprüngliche Natur, Wellness und Fitness sollten im Mittelpunkt stehen. Angebote hierzu sollten, z. B. mit Prospekten für einzelne Zielgruppen, konkret erfasst werden. Dabei werde man aber — etwa bei der Planung einer Tages-Familientour von Nürnberg zum Kanufahren ins Pegnitztal — auch noch auf Lücken im Angebot stoßen, die es dann zu schließen gelte. Angela Henke (Caritas) empfahl hier auch kostenlose Angebote für ärmere Familien zu erfassen. Heimatpfleger Robert Giersch will die Objekte der „2000-jährigen Kulturlandschaft “ berücksichtigt sehen. Werner Wolter (Hartenstein) regte ein einheitliches Wanderwegesystem an. Und Bruno Schmidt bilanzierte, dass man für all das „auch was investieren muss. “